Besuch von Enkel und Urenkel von Frida Levy am 19.12.2016.

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Frida Levy

Frida Levy
Frida Levy

Frida Levy, geb. Stern, wurde am 18. Dezember 1881 als 4. Kind von Samson Stern und Johanna, geb. Leszynski in Geseke/Westfalen geboren. Die Familie zog 1882 nach Hameln, um die Getreidehandlung eines Bruders von Johanna weiterzuführen und um sich um den alten Großvater zu kümmern. Die Mutter starb 1895, der Vater 1898, so dass Frida schon mit 16 Jahren Vollwaise war. Nach dem Tod ihrer Eltern zog sie vorübergehend nach Berlin zu einem Onkel. Am 29. März 1901 heiratete sie den Rechtsanwalt Dr. Fritz Levy (geb. 1874) aus Wuppertal-Elberfeld. Das junge Paar zog nach Essen. Ihre vier Kinder wurden in den Jahren 1906 bis 1918 geboren. Ab 1907 wohnte die Familie in einer großzügigen Villa an der Moltkestraße 28, ein Zeichen dafür, dass Fritz Levy ein erfolgreicher Anwalt war.

 

Das Haus wurde in den nächsten 25 Jahren eine zentrale Anlaufstelle für junge Künstler und Intellektuelle. Frida besuchte regelmäßig die Folkwangschule und hatte intensive Kontakte z. B. zu Malern wie Schmitt-Rottluff, Urbach und Wollheim. Einmal im Monat war „Offenes Haus“, eine Art bürgerlicher Salon: Schriftsteller lasen, Vorträge wurden gehalten, Diskussionen über Kunst und Politik geführt. Frida Levy engagierte sich vor dem Ersten Weltkrieg intensiv in der Frauenbewegung. Einerseits leistete sie im Verein Frauenwohl in Essen Sozialarbeit, kümmerte sich in der Rechtsschutzstelle um Arbeiterfrauen und –mädchen, um Unterhaltszahlungen durchzusetzen, vertrat die Frauen in arbeitsrechtlichen Fragen und Mietstreitigkeiten, schrieb Armengesuche etc. Andererseits arbeitete sie im Vorstand des Preußischen Landesvereins für Frauenstimmrecht. Im Verein mit berühmten Frauenrechtlerinnen wie Anita Augspurg und Minna Cauer kämpfte sie für das Frauenwahlrecht und gegen das reaktionäre Dreiklassenwahlrecht in Preußen. Nach dem Ersten Weltkrieg schrieb sie in einem Beitrag für die zurückgekehrten Kriegsteilnehmer u.a.: „Dass niemals wieder solcher Jammer die Menschheit durchwühle, das sei euer unvergessliches Wissen vom Kriege, unser aller heißer Wunsch und fester Wille.“ Die pazifistische Haltung drückte sie auch durch ihre Mitarbeit im „Internationalen Frauenverband für Frieden und Freiheit“ aus. Sie hielt Vorträge vor Jugendlichen über gesellschaftlich tabuisierte Fragen wie „Sexualprobleme in der Jugendbewegung, Bub und Mädel in der Arbeiterbewegung, Jugend und Alkohol“. Bereits während der Weimarer Republik wurde ihr Mann, der häufig Arbeiter in Rechtsprozessen verteidigte, von der nationalsozialistischen Presse heftig attackiert.

Nach der Machtübertragung am 30. Januar 1933 wurde die Familie Levy aufgrund ihrer jüdischen Herkunft innerhalb weniger Wochen zum Opfer und zur Zielscheibe der neuen Machthaber. Unmittelbar nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar wurde Fritz Levy in „Schutzhaft“ genommen, weil er laut die Vermutung äußerte, dass die Nationalsozialisten den Reichstag selbst in Brand gesteckt hätten. Wegen einer bereits weit fortgeschrittenen Erkrankung, die drei Jahre später zu seinem Tod führte, wurde er zwar nach acht Tagen wieder freigelassen. Er musste aber seine Heimatstadt mit seiner Frau binnen weniger Tage verlassen. Die jüngere Tochter Susanne konnte das Essener Gymnasium nicht weiter besuchen. Die Söhne Berthold und Robert wurden anstelle des Vaters für mehrere Monate in Sippenhaft genommen. Frida und Fritz Levy zogen nach Wuppertal, wo sich Freunde um sie kümmerten. Nach dem Tod ihres Mannes ging Frida Levy nach Berlin, wo ihre Tochter Hanna bis 1933 studiert hatte und jetzt als Kindermädchen arbeitete. Hanna und ihr Mann Walter Herz wurden unmittelbar nach dem Umzug der Mutter wegen „staatsfeindlicher Bestrebungen“ verhaftet und zu mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Völlig auf sich allein gestellt – die drei anderen Kinder waren mittlerweile nach Palästina bzw. Schweden emigriert – führte Frida Levy die Korrespondenz für ihre Tochter und ihren Schwiegersohn (Gefangene durften nur Angehörigen schreiben) und stellte für sie den Kontakt zur Außenwelt her. Sie besuchte im Jahre 1938 ihre Kinder in Palästina, schlug aber das Angebot dort zu bleiben mit Rücksicht auf die Inhaftierten aus. Als die Tochter im Frühjahr 1939 freigelassen worden war, sorgte Frida dafür, dass Hanna nach Schweden emigrieren konnte. Nach dem Überfall auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der Schwiegersohn in ein Konzentrationslager eingeliefert. Frida bemühte sich weiter um seine Freilassung. Vergeblich: Walter Herz wurde von den Nationalsozialisten umgebracht. Deutsche und ausländische Freunde versuchten, Frida zur Emigration zu überreden. Als diese nicht mehr möglich war, wurde ihr ein Versteck angeboten, um der drohenden Deportation zu entgehen. Aus ihren Briefen, die durch die Postzensur gingen, wird die innere Not und die Last der Verantwortung deutlich. Am Sylvester-Tag 1941 schrieb sie an ihre Tochter Hanna nach Schweden: „Ein schweres, ereignisreiches Jahr für uns alle, für die ganze Welt... Bleibt gesund und hoffnungsstark, über Kummer und Sorgen hinaus. Und ich verspreche Euch, meine letzte Kraft zu sammeln, um vielleicht irgendwann und wo noch einmal mit Euch vereinigt zu sein. Ich war in diesen Wochen fast entschlossen, dem Schwersten aus dem Wege und lieber zu Vater zu gehen.“ Sie entschied sich nicht zu fliehen und nicht den Freitod zu wählen. Sie wurde am 25. Januar 1942 nach Riga deportiert. Dort wurde sie unter ungeklärten Umständen ermordet.

 

 

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